Raimund WaltenbergPressereferent Raimund Waltenberg hat die frisch aus ‚Down Under’ zurückgekehrten Andrea und Werner Niechciol um einen kleinen Bericht gebeten. Ihren Erzählungen über die mittlerweile schon zehnte ‚Winterflucht’ nach Australien könnte man Stunden lang zuhören - am anderen Ende der Welt ist eben doch so Einiges anders. Zum Glück, sonst würde es nicht so viele dort hinziehen. Insbesondere Corowa hat mittlerweile einen international anerkanntes Fliegerzentrum als Basis für die Welt der ‚Open Skies’ im australischen Bundesstaat New South Wales.

Lage Corowa Segelflugzentrum in Australien

 Corowa ist das Ziel

Mit 5600 Einwohnern ist Corowa für australische Verhältnisse eine bedeutende Kleinstadt. Sie liegt in New South Wales etwa 300 km nordöstlich von Melbourne am Grenzfluss Murray, der den Staat Viktoria von New South Wales trennt. Das ‚Australian Soaring Centre Corowa’ ist in Fliegerkreisen zu einer festen Größe geworden. „Es hat dem Segelflugzentrum Banella Victoria, welches ca. 60 Kilometer südlich liegt, trotz einer dort ausgerichteten WM, längst überflügelt. Corowa hat die anderen Plätze klar überholt, ist immer bekannter geworden,“ erklärt Werner und weiter: „Selbst im OLC steht es jetzt weltweit an erster Stelle, noch vor Bitterwasser.“ Es schwingt ein wenig Stolz in seiner Stimme und das mit Recht. Ist er doch einer der 75 Piloten, die die Kilometerjahresbilanz auf über 500 Tausend geschraubt haben.

 

 

Werner Niechciol im Schleppflugzeug Piper PawneeWerner Niechiols persönliche „Ausbeute“ für 2009/10 sind 24 Starts mit 168 Flugstunden auf seinem ‚Ventus ct’ D-KOSY. Das waren 13800 Km Überlandflug, davon drei Flüge über 900 Kilometer.“
„Corowa ist ein fliegerisches Paradies, man kann sehr leistungsorientiert fliegen, das machen die meisten, aber man muss das nicht. Ich lasse es mittlerweile schon mal etwas gemächlicher angehen und bin trotzdem zufrieden. Außerdem habe ich als etablierter Schlepppilot einen ‚Zusatz-Job’, den ich auch gerne mache. Diesmal waren es 11 Stunden auf der Piper Pawnee“, erzählt Werner.

 „Und, wir ‚leben’ auch dort! Wir haben Freunde, wir reisen oder Andrea, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fliegt, bewirtschaftet das eigene Gemüse. Weihnachten hat sie ‚selbstgebundene Adventskranzkultur’ in die Kränzchen der Stadt gebracht, das war ‚talk of the town’“, beide schmunzeln.

 
Andrea und Werner Niechciol Tagesablauf und Flugleistungen

„Es würde zu weit führen, wenn ich den Erlebnisreichtum von jedem einzelnen Flug beschreiben würde, ich kann nur sagen, es war einfach super! Die Flüge hatten alles was das Segelfliegerherz erfreut!“, so wollte Werner die Fliegerei in Australien zusammenfassen, sehr bescheiden. Es überraschte mich dann nicht, dass Werner und Andrea  auf Nachfrage nur so lossprudelten.

Aber zuerst einmal zum ‚ganz gewöhnlichen’ Tagesablauf, den Werner so beschreibt: „Um 08.00 Uhr wurde mit der Pawnee ein Temp geflogen (Lufttemperatur-Zustand in der Höhe). Um 09:30 war ausführliches Wetter-Briefing. Danach wurde das Thermometer genau beobachtet, um die Auslösetemperatur  (Thermikbeginn) nicht zu verpassen. An guten Tagen, wenn der 40° heiße Nordwind aus dem Landesinneren wehte, hatten wir Sichten von über 100km, Wolkenuntergrenzen von mehr als 4000m und Steigwerte durchschnittlich von 3-4 m/sec mit Spitzenwerten von 5-6 m/sec. Zwischen 10:30 und 11:00 waren alle 15 zu schleppenden Segelflugzeuge in der Luft (mit 2 Schleppmaschinen). Die anderen 15 Segelflugzeuge waren eigenstartfähig. Die Streckenflugausbeute am Ende des Tages war dann entsprechend gut. Viele Piloten landeten am Abend nach einem Endanflug  von mehr als 1 Stunde über 120km aus einer Höhe von 4000m und brachten einige Male Strecken von mehr als 1000km nach Hause. In dieser Saison betrug die durchschnittliche Streckenlänge der Piloten in Corowa 600km pro Flug.“ Eine gute Saison, wenn man berücksichtigt, dass Werner und Andrea in früheren Jahren auch schon mal wegen gewaltiger Buschbrände kaum starten konnten.

 

‚wadgetails’ und Gugelhupf -  das ‚andere’ Fliegenwedgetailed Eagle

 Wer in Australien fliegen will, sollte sich außer auf Buschbrände auf einige weitere Besonderheiten einstellen. Deshalb ist immer auch ein ‚Überlebenspack’ an Bord. Dazu gehören einige Extra-Liter Wasser, ein Gürtel, Taschenmesser, Streichhölzer, Spezial-Anvisierspiegel und ein mobiler SPOT Satelliten-Tracker. Weil es viel  eintöniges Agrarland gibt, welches zudem überwiegend flach ist, findet man kaum markante Punkte zur Orientierung. Werner spricht von einem Strecke-Zeit Gefühl, „wenn man das entwickelt, kann das sehr hilfreich sein.“ Weitere Punkte: Die Sonne steht immer im Norden, damit tun sich viele Europäer schwer. Eine Außenlandung sollte möglichst immer in Farmnähe erfolgen und drauf achten, dass die Farm auch bewohnt ist. Seen auf der Karte müssen nicht zwangsläufig auch Seen im Gelände sein. Und die Dämmerungszeit ist sehr kurz. „Da sollte man nicht zu knapp heimkehren“, empfiehlt Werner. „Meist hat man mit dem ‚last light’ gegen 9.00 Uhr nur noch 10 Minuten, bis es ganz dunkel wird. Wer bis dahin nicht gelandet ist, muss 'ein wenig illegal' die Landebahnbefeuerung in Anspruch nehmen.“

  „Dann gibt es da auch noch die Ibisse, die können ein guter Thermik-Indikator sein. Wenn die erste Gruppe dieser Vögel aufsteigt, werden die Piloten am Boden ganz unruhig. Pelikane sind eher seltener“, erklärt Werner weiter, „dafür hatte ich schon öfters phantastische Erlebnisse mit Adlern, den sogenannten ’wadgetails’. Da kann man beobachten, wie die Jungen in der Luft Jagdtrainings proben. Selbst in 3000 Metern Höhe sind die noch zu sehen.“ Witzig finde ich die Geschichte vom ‚Gugelhupf’, ein 200-300 Meter hoher bewaldeter Hügel nicht weit vom Start- und Zielplatz. Eigentlich unspektakulär, nur dass die deutschen Piloten mit dem einheimischen Namen 'Goombahgana' nicht so recht warm wurden. Im Funk wurde kurzum ’Gugelhupf’ daraus und jetzt sagen das die 'Aussies' sogar selbst.

 

Container Transport / Blick in gepackte ContainerVorbereitungen und Anreise

Werner fasst zusammen: „Bevor das Flugzeug auf die lange Reise geschickt wird, gibt es viel zu organisieren. Visa für mehr als 3 Monate Aufenthalt (60€) werden beantragt. Dann muss unser Ventus gründlich gereinigt werden.

 

So vorbereitet machen sich dann Segelflieger aus Deutschland, Finnland, Schweden, Dänemark, England, Holland, der Schweiz, Spanien, aus der Slowakei und natürlich aus Langenlonsheim mit ihren Segelflugzeugzeugen auf eine Sternfahrt nach Venlo (Holland). Dort sind sie am 18. September eingetroffen und verpackten sogleich insgesamt 24 Flugzeuge seefest in vier Container.
Alles perfekt organisiert von einem Holländer, der das professionell betreibt. So gingen die Container von Venlo auf eine 6-wöchige LKW-Reise nach Rotterdam, per Schiff nach Melbourne und dann per LKW nach Corowa.“

 

 

Quarantäne Kontrolleur bei der ArbeitMit der "gründlichen Reinigung" vor dem Verladen in die Container hatte Werner nicht waschen und polieren gemeint: „Nein, die Anforderungen der Quarantäne-Behörde in Australien sind weit höher. Fahrwerk und Spornrad gründlich von jedem Staubkorn, unerwünschten Gräsern und Unkrautsamen befreien und Fett von Bolzen und Beschlägen sorgfältig entfernen. Vielfach arbeiten wir mit einer alten Zahnbürste, um alle verborgenen Ecken zu reinigen. Außerdem darf keinerlei Holz nach Australien eingeführt werden. Der Quarantäne-Offizier in Australien ist sehr pingelig was den unterschiedlichen ‚Dreck’ betrifft. Den Herrn kann man übrigens auf dem Foto bei seiner Arbeit nach dem ‚Auspacken’ der Flieger in Corowa bewundern."

Den weiteren Ablauf schildert Werner dann so: „Andrea und ich flogen am 20. Oktober von Frankfurt über Dubai nach Melbourne, wo wir nach 21 Stunden Flugzeit mit der Bahn ins Landesinnere nach Wangaratta fuhren (40km von Corowa entfernt). Von dort wurden wir von unserem Farmer Ehepaar Penny und Robert abgeholt, bei denen wir seit 10 Jahren am Rande ihrer Farm in einem Farm-Cottage fast wie die Australier leben mit Schafen, Kühen, Pferden und natürlich Kängurus, Kakadus und Kookaburras. Die Umgewöhnung an 10 Stunden Zeitunterschied zur deutschen Zeit fiel uns bei frühlingshaften Temperaturen von 28° nicht schwer, und ich machte nach ein paar Tagen gleich meine obligatorischen Routine-Starts auf dem Schleppflugzeug ‚Piper Pawnee’. Damit begann für mich als einer der drei segelfliegenden Schlepp-Piloten die Zeit im Segelflugparadies auf der Südhalbkugel. Am 8. November trafen die Container mit den unbeschädigten Segelflugzeugen ein und nach und nach die internationale ‚Multi-Kulti-Truppe’ der Piloten. Damit waren alle Bedingungen erfüllt, um das Segelfliegen von seiner schönsten Seite in vollen Zügen genießen zu können.

Anfang März sind Andrea und ich aus ‚Down Under’ ins kalte Deutschland zurückgekehrt und werden am 8. April unser Segelflugzeug in Venlo abholen. Nun wünschen wir allen Fliegern eine gute Flugsaison 2010 in Langenlonsheim!“

 Andrea und Werner Niechciol am Schattenspender

 

Ratgeber
Wer Fragen hat, Tipps zur Vorbereitung oder Durchführung eines solchen Australien Trips haben möchte, der darf sich an Andrea und Werner wenden. Sie sind gerne auskunftsbereit und wie ich finde, die besten Ansprechpartner, die man  diesbezüglich haben kann. Auch Bernd Dörnemann weiß hier gut Bescheid, da er einige male mit in Corowa war.

Über Preise und andere Dinge gibt es Infos auf der Webseite des ‚Australian Soaring Centre Corowa’:

www.australian-soaring-corowa.com

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