Sascha Schulte FeriVorbereitung Lalo Airport Beach-Party enfliegen und Streckenflug-Abenteuer, Sascha Schulte und Mario Michel berichten

 Das Ferienfliegen 2010, dieses Jahr fand es wieder auf unserem Flugplatz in Langenlonsheim statt. Und wie jedes Jahr war es mal wieder eine gute Gelegenheit zwei Wochen lang zusammen zu fliegen oder aber bei schlechtem Wetter zusammen etwas zu unternehmen. Ja und auf letzteres mussten wir leider etwas öfters zurückgreifen, weil das Wetter nicht immer so mitgespielt hatte, wie wir uns das gerne gewünscht hätten. Aber das schadete der gute Laune der vor allem jugendlichen Teilnehmer nicht und wir machten immer das Beste aus dem Wetter. So waren wir an einem Regentag in einem Erlebnisbad, an einem anderen nutzen wir das Kino und die Cartbahn der nächsten Stadt. Fliegerisch wurde aber auch einiges auf die Beine gestellt. Zum Beispiel, ein Scheininhaber-Frischling hat gerade einmal zwei Wochen nachdem er seinen Schein in der Hand hielt, eine sagenhafte 400km Strecke geflogen. Den spannenden Erlebnisbericht von Mario Michel könnt Ihr hier weiter unten lesen....

 Dann wurde in der zweiten Woche noch ein Ziellandewettbewerb veranstaltet, der auch bei anderen Scheinpiloten Anklang fand. Gewonnen haben allerdings drei Teilnehmer aus unserer Jugendgruppe: Pascal, Robin und Tobi. Zwei von diesen konnten dann am Wochenende ihre praktische Prüfung ablegen - Gratulation an Pascal und Tobi! Und für zwei Neulinge im Verein, Wolfgang und Leon, ein Vater und sein 14-jähriger Sohn, war das Fliegerlager eine gute Gelegenheit, weitere Starts zu absolvieren. Somit konnten Sie der ersten Etappe, dem ersten Alleinflug, schnell näher kommen. Abgeschlossen wurde das Fliegerlager dann mit einer ordentlichen Beach-Party. Hierfür wurden 4 Tonnen Sand beigeschafft und die Fläche vor unserer Werkstatt mal kurzerhand in einen Strand verwandelt. Eigentlich waren wir uns da erst gar nicht so sicher ob das bei den „Älteren“ so gut ankommt, aber die haben am Ende sogar teilweise beim Aufbauen mitgeholfen.Organisiert wurde das Ferienfliegen von Mario Michel und mir, in Zusammenarbeit mit Sebastian Loos und Bastian Hölz. Alles in allem war das diesjährige Ferienfliegen ein Erfolg und alle waren der Meinung, ein solches im nächsten Jahr zu wiederholen.

Mein erster Streckenflug - Erlebnisbericht von Mario Michel:

streckenflug kurbeln

Als ich am 17.07.2010 abends in den Wetterbericht schaute und dieser den ganzen Tag lang gute Wolkenthermik versprach, freute ich mich schon auf meinen ersten Streckenflug nach Scheinerhalt.

Am nächsten Tag stand ich dann auch zeitig auf der Matte, um diesen in unserer Vereins ASW 24 zu bestreiten. Es war viel Betrieb, alle Leistungspiloten tankten ihre Flugzeuge mit Wasser voll und reihten sich in der Startreihe auf. Nach einiger Zeit des Abwartens und Beobachtens, ob sie denn auch alle oben bleiben, verabschiedete mich unser Segelflugreferent mit den Worten: „Wenn du dich jetzt nicht bald anstellst, bekommst du deinen Arsch heut auch nicht mehr in die Luft“. Also setzte ich mich in den Flieger (natürlich nach einer ausführlichen Flugvorbereitung und eines sorgfältigem Checks ;)) und startete im Flugzeugschlepp. Kaum ausgeklinkt erwischte ich auch schon den ersten Bart mit etwa 4,5 m/s integriertem steigen, was mich in meiner Motivation beflügelte, heute mal etwas weiter vom Platz wegzufliegen.

OLC-Fluginfo MichelAlso macht ich mich auf den Weg nach Norden Richtung Rüdesheim, möglichst schnell aus unserem Luftraum raus. So flog ich dem ersten Leistungspiloten, der im Ventus im Eigenstart kurz nach mir gestartet ist hinterher, um schnell festzustellen, dass ich hier wohl kaum eine Chance habe, mitzuhalten. Als „Neuscheininhaber“ beschloss ich also zunächst einmal so zu fliegen, dass ich navigatorisch nicht in die Bredouille kommen würde. So hangelte ich mich am Rhein entlang und konnte mich zunächst nicht entscheiden, ob ich mich nun in in Oberwesel oder in St.Goar befand. Bis ich mich entscheiden konnte, sah ich auch schon Koblenz und einen großen Fernsehturm, der mir die Orientierung wieder leichter fallen ließ. Als ich mich im Funk erkundigte, wo die anderen mittlerweile waren, beschloss ich die gleiche Richtung einzuschlagen. Ich hangelte mich über den Flugplatz in Montabaur entlang der A3 weiter nach Limburg (nicht weiter zu erwähnen, dass ich hoffnungslos abgeschlagen war). Entlang der Flugplätze Hadamar und Braunfels flog ich weiter nach Marburg, wobei die Städte Weilburg, Wetzlar und Giessen mir als Anhaltspunkte dienten. Hierbei zeigte sich, dass navigieren in einem unbekannten Gebiet doch nicht so einfach ist, wie ich es mir immer vorgestellt habe, denn nun muss man etwas genauer hinschauen, dass man nicht der falschen Autobahn folgt. Trotz mehreren Orientierungskreisen über Wetzlar und Giessen, die ich benötigte um meine Position festzustellen und die Richtung, in die ich weiterfliegen wollte,kam ich in Marburg an, wo ich eigentlich umkehren wollte. Das Wetter war jedoch so gut und die Funkgespräche der anderen Piloten ließen nicht auf schlechteres Wetter schließen, weshalb ich beschloss, noch etwas weiter nach Osten zu fliegen.

Also hangelte ich mich weiter von Flugplatz zu Flugplatz, bis ich in Alsfeld ankam, hier hatte ich dann das Problem, dass ich unbedingt einer Wolkenstraße hinterher fliegen wollte, ich aber zugleich zwischen zwei ED-R Gebieten durchfliegen musste. Auch hier ist mir wieder bewusst geworden, dass navigieren mit Karte geübt sein will und so drehte ich lieber ein paar Orientierungskreise mehr, damit ich auch nicht in die Sperrgebiete reinflog.

Letztendlich landete ich in Fulda und flog von dort aus weiter nach Bad Hersfeld. Da das Wetter langsam nicht mehr so gut war, wie zu Beginn des Tages, beschloss ich hier umzudrehen und wieder Richtung Langenlonsheim zu fliegen. Zu Beginn des Rückweges kam langsam aber sicher der Hunger und ich musste mal ganz dringend etwas erledigen ... Hätten wir auch dafür erflogreich die Premiere gefeiert. Kurzzeitig befand ich mich in meinem Leistungstief, als alles nicht so lief, wie ich das wollte. Die zurückkommenden Streckenpiloten überholten mich reihenweise und flogen davon und ich fand einfach keine Linie, auf der ich wieder erfolgreich nach oben kam, sodass sich mir schlecht gelaunt der Gedanke aufdrängte, warum ich mir das eigentlich freiwillig antue.

Als aber dann doch noch ein Bart kam, der mich mit über 5 m/s integriertem Steigen auf knapp 2300m MSL katapultierte und ich die geniale Aussicht genießen konnte, ist mir wieder eingefallen, warum ich diesen Sport liebe ;) .  Da ich den Weg nun kannte war ich um einiges schneller als auf dem Hinweg. Über Nastätten fühlte ich mich sicher genug meinen Endanflug zu beginnen, der dann doch noch in 500m über Platzhöhe endete (jaja es gibt noch einiges zu Lernen..). Nach 5 Stunden und 50 Minuten stieg ich in Langenlonsheim dann endlich aus dem Flieger aus und war schon gespannt darauf, wie viel Kilometer ich geschafft habe. Es waren letztendlich 418,85 km, womit ich glaube ich sehr zufrieden sein kann :).

Dies war der Bericht zu meinem ersten Streckenflug. Er soll auch als kleine Motivation für alle neuen Scheininhaber dienen, denn ein Streckenflug ist eben doch nicht das gleiche, wie in der Platzrunde rumzueiern. Man entwickelt sich fliegerisch weiter (was ich auch allein durch diesen Flug schon gemerkt habe) und man hat eine Menge neue Impressionen, sowohl vom Fliegen als auch von der Landschaft.

(Mario Michel / Aero-Club Rhein-Nahe)